Ihr solltet euch schämen….

Ihr Lieben, eigentlich hatte ich als ersten Beitrag im neuen Jahr etwas anderes geplant, aber ich rege mich seit einigen Wochen so dermaßen über unsere Politiker und Politikerinnen auf, dass ich diesen Beitrag vorziehen möchte. Mit „Ihr solltet euch schämen“ spreche ich alle aktiven BerufspolitikerInnen dieses Landes an.

Ein einziger Bla, bla, bla…

Grund meiner Aufregung ist die Tatsache, dass viele der von uns gewählten „VolksvertreterInnen“ gefühlt mehr Zeit damit verbringen sich gegenseitig zu zerfleischen und in endlosen (meines Erachtens häufig sinnlosen) Abstimmungsrunden verbringen, als endlich die wichtigen Dinge anzupacken. Angefangen hat es mit der, meiner Meinung nach, unsäglichen Suche nach einem neuen SPD Parteivorsitzenden. In unzähligen Runden wurden die KandidatInnen vorgestellt, debattiert, überlegt und so weiter und so fort…Bla, bla, bla.

Schon damals habe ich mich, um ehrlich zu sein, gefragt, ob all diese Menschen nichts besser zu tun haben. Weiter ging es vergangene Woche mit der unsäglichen Thüringen Wahl. Ich möchte nicht ins Detail gehen und hier ausdrücklich sagen, dass ich ALLE PolitikerInnen anspreche, nicht nur eine bestimmte Partei. Zumindest alle demokratischen Parteien, über eine Bestimmte, ist es mir zu schade, auch nur einen Buchstaben zu tippen. Anderes Thema.

Wie dem auch sei wird nun wieder in, für mich ehrlich gesagt undurchschaubaren, Parteischarmützeln versucht, die eigenen Machtinteressen durchzusetzen. WARUM zur Hölle kann man dieses Getue im Sinne einer größeren Sache nicht endlich zur Seite legen und tätig werden. In Thüringen hat ein Kandidat de facto die meisten Stimmen. Bildet verdammt nochmal eine Koalition mit egal wem und fangt an zu arbeiten. Dafür haben euch die WählerInnen nämlich gewählt. Nicht dafür in unzähligen Sitzungen, auf unsere Kosten, zu überlegen wer wie am meisten Macht erhält.

Ich bin übrigens ziemlich sicher, die ganze Geschichte sähe deutlich anders aus, wenn mehr Frauen in der Politik „wichtige“ Ämter inne hätten oder es generell mehr (junge) Frauen in der Berufspolitik gäbe. Es ist eine gewagte These aber und wir Frauen haben dafür andere Schwächen, aber bei Männern spielt doch auch immer eine Rolle wer am lautesten brüllt oder den größeren hat… Sorry, aber es ist einfach so.

Apropos Frauen in der Spitzenpolitik: Annegret Kramp Karrenbauer hat in dieser Woche ihren Rückzug vom CDU Vorsitz erklärt und damit auch von der Kandidatur als Kanzlerin. Schade für sie, aber sie hat es sich bestimmt gut überlegt. Also, weitermachen. Aber nein, die Idee ist nun bis DEZEMBER zu warten und dort erst den neuen Kandidaten zu präsentieren. So lange kann man dann ja erneut in einer unüberschaubaren Anzahl an Sitzungen überlegen wer denn nun der Beste oder die Beste wäre.

Dabei gibt es so viel zu tun!

Diese drei Beispiele könnten hier endlos ergänzt werden. Ich gebe ehrlich zu, dass ich nicht so viel Ahnung vom Politikbetrieb an sich habe, um einschätzen zu können, um all diese Sitzungen sein müssen. Wenn ja, gehört diese Regelung abgeschafft.

Denn: ES GIBT SO UNFASSBAR VIEL ZU TUN.

Warum verwenden unsere PolitikerInnen ihre Kraft und Energie und übrigens ihre Daseinsberechtigung nicht endlich darauf, dafür zu sorgen, dass wir hier alle in 50 Jahren noch (fast) genauso leben können wie bisher?

Warum sorgen sie nicht dafür, dass es schon heute weniger Leid, Elend und Kriege in dieser Welt gibt.

Warum setzen sie sich nicht endlich, endlich alle an einen Tisch (und zwar auch auf weltpolitischer Ebene) und kommen ihrer verdammten Pflicht nach?I

ch würde es wirklich soooo gerne verstehen. Vielleicht schicke ich diesen Beitrag an den Bundestag, in der naiven Hoffnung, dass mir irgendjemand antwortet. Denn so kann es nicht weitergehen.

Was wäre die Lösung?

Neben des von mir, vermutlichen sehr utopischen Wunsches einer demokratischen Weltregierung, oder zumindest der besseren oder weniger machtgetriebenen, überparteilichen Zusammenarbeit ALLER Akteure, habe ich gestern im MOMA im ZDF einen interessanten Ansatz gesehen.

Ich finde schon lange, dass es für die Politik nicht unbedingt förderlich ist, dass es nahezu keine Quereinsteiger gibt. In anderen „Branchen“ ist das durchaus gang und gäbe und kann sehr erfrischend und bereichernd sein. Warum nicht auch in der Politik? Einige Beispiele gibt es ja bereits, gestern wurde im MOMA der amtierende Rostocker Bürgermeister, Claus Ruhe Madsen, porträtiert.

Er ist nicht nur Quereinsteiger, sondern verfügt als gebürtiger Däne auch über keinen deutschen Pass. Ein echtes Novum in der deutschen Geschichte der Oberbürgermeister. Madsen war früher selbstständiger Unternehmer, hat keinen Chauffeur, ist parteilos und wirkt, als hätte er einfach Bock auf den Job. Gerade das sollte ja die beste Voraussetzung sein…

Der Däne versteht sich, obwohl er das schon unzählige Male gefragt wurde, noch immer nicht als Politiker, sondern, wie in seinem alten Job, als Unternehmer – als „Gestalter, statt Verwalter“. Es bezeichnet sich als „Handwerker, der Themen anpackt und umsetzt“. (Quelle Morgenmagazin, ZDF vom 11.02.20)

Genau das ist doch unglaublich bereichernd und es würde unserer Politik bestimmt sehr gut tun, wenn es mehr Menschen wie Madsen gäbe. Außerdem Menschen vom Fach, die wirklich wissen, wovon sie sprechen und nicht im Hintergrund als BeraterInnen fungieren, sondern vorne auf der großen Bühne stehen und die wichtigen Themen mit fundiertem Know How vorantreiben.

Ich hoffe so sehr, dass wir schnell die Kurve kriegen. Wobei, was heißt wir? Was können die BürgerInnen tun? Ehrlich gesagt, bin ich etwas überfragt. Da das nicht meine Art ist, möchte ich die Hoffnung nur sehr ungern aufgeben, wobei es mir angesichts der aktuellen Lage schon sehr schwer fällt. Was bestimmt hilft, ist Druck auszuüben, auf Demos zu gehen, Petitionen zu unterschreiben und vielleicht selbst aktiv zu werden. Ich denke auf jeden Fall darüber nach. 😉

 

Foto im Header:  Christian Lue on Unsplash

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